Eine Reise mit dem Frachtschiff

28 Tage auf dem Frachtschiff! Die Route: Antwerpen (Belgien) – Valparaíso (Chile). Das vorläufige Ziel: Patagonien.

Bei meiner Reise im vorigen Jahr nach Brasilien wurde mir bewusst, dass ich nicht das geringste Gefühl dafür hatte, wie weit ich von zu Hause entfernt war, geschweige denn, wie groß unsere Erde ist. Verwirrt wachte in unserer Unterkunft 200 m vom Meer entfernt auf. Bereits am Vorabend, als wir zwei Stunden an der Grenzkontrolle am Flughafen gewartet hatten, um nach dem langen Flug endlich einreisen zu können, war mir klar geworden, dass ich herausfinden wollte, wie es ist, richtig zu „reisen“, so wie es schon viele Generationen vor uns taten. Langsam ankommen, die Entfernung spüren und eine Ahnung von den verschiedenen Menschen und Kulturen bekommen, die zwischen der Heimat und dem Reiseziel liegen.

Nun ist es so weit! Ich werde vier Wochen umgeben von Containern und Männern von Belgien nach Chile reisen.

Nach einer etwas turbulenten Fahrt durch den Ärmelkanal folgen acht Tage über den Atlantik. Meer, Meer, Meer. Blau, blau, blau. Von Eintönigkeit kann jedoch keine Rede sein. Das Wasser wechselt je nach Tageszeit, Windstärke, Wellengang und Wetter seine Farbe. Wenn in der Ferne oder am Radar ein Schiff zu erahnen ist, greifen wir euphorisch nach den Ferngläsern. Wir freuen uns darauf, an den Azoren vorbei zu fahren, doch leider ist es Nacht und somit müssen wir noch ein paar Tage warten, bis endlich Land in Sicht ist. Wenn das Containerschiff anlegt, bleiben meist ein paar Stunden, um auf eigene Faust an Land zu gehen und so stehen Gregorio und ich gemeinsam mit Michel aus Frankreich, dem dritten Passagier an Board, vor der Küste der Dominikanischen Republik erwartungsvoll auf der Brücke, von wo aus wir dem Kapitän und dem ersten Offizier beim Navigieren dieses 274 Meter langen Stahlungetüms zuzusehen. Zusammen mit dem Lotsen bringen sie uns sicher in den Hafen von Caucedo und wir betreten dankbar über festen Boden die Dominikanische Republik.

Wir haben uns schon sehr auf diesen Tag an Land gefreut, doch von so einem fantastischen Tag haben wir nicht zu träumen gewagt. Zusammen mit Lucas, einem jungen polnischen Engineer, nehmen Gregor und ich ein Taxi ins „centro cultural“ der Hauptstadt Santo Domingo. Der Fahrer stammt aus dem kleinen Ort Boca Chica, ein paar wenige Kilometer vom Hafen entfernt, und bringt meist liebeshungrige Seebären zu reizenden Ladies, die in den Bars und Restaurants auf männliche Gesellschaft warten. Wir landen im „Kulturzentrum“ von Santo Domingo, ein nett angelegter Park mit Museen und einem Theater. Uns interessieren jedoch nicht die ausgestopften Tiere in dem Naturhistorischen Museum, vor dem José sein Auto parkt, glücklich darüber, unseren Wunsch nach „Kultur“ erfüllen zu kennen, sondern die Altstadt. Mit Hilfe der Wegbeschreibungen von Passanten an jeder Straßenecke, die beinah belustigt Auskunft geben, landen wir schließlich mitten im „cento colonial“. Wow! Wir hatten ein koloniales Zentrum erwartet, aber nicht derartig gepflegte Häuser und Gassen, durch die wir den Nachmittag über schlendern, hin zu den beeindruckenden Stadtmauern, von denen Treppen hinunter zum kleineren Stadthafen führen. Nach Antwerpen werde ich ab jetzt wohl fast jeden anderen Hafen als klein empfinden, erstreckt der sich doch einige Kilometer weit am Wasser entlang, und es dauert acht Stunden, bis unser Schiff dort von der Anlegestelle bis aufs offene Meer gelangte!

Während wir auf den Spuren von Christopher Columbus spazieren, wartet José geduldig an seinem Auto, um uns später wieder zum Hafen zu bringen. Wir möchten ihn nicht wie einen Hund warten lassen, und so mache ich mich auf den Weg, ihn zu holen. Ich weiß noch, geradeaus und dann links, und dass eine der beiden sich kreuzenden Strassen irgendetwas mit „Erzbischof“ heißt. Ich muss jedoch feststellen, dass zwei Straßen mit verschiedenen Erzbischöfen im Namen parallel verlaufen, und dass ich zuerst zur falschen gerannt bin. Richtig, gerannt, denn ich merkte, dass ich recht lange unterwegs bin und möchte verhindern, dass die beiden wartenden Männer sich Sorgen machen oder dass gar mein Bier kalt wird! In einer karibischen Stadt zu laufen, das passt nicht so ganz zum Lebensgefühl. Schließlich finde ich auch Jose und erkläre ihm in meinem langsamen und grammatikalisch nicht ganz korrekten Spanisch, dass wir ihn gerne auf ein Getränk einladen wollen.

Er scheint mich zu verstehe und ich bin froh, die viele Zeit, die am Schiff bleibt, fast jeden Tag zum Lernen verwendet zu haben. Zwischen den drei fix eingeteilten Mahlzeiten lesen wir, spielen hin und wieder Tischtennis, was bei Wellengang eine ganz schöne Herausforderung sein kann, oder gehen in die Sauna und schwimmen im kleinen täglich mit frischem Meerwasser gefüllten Pool. Dann wird wieder gelesen. Um 17 Uhr trinken wir manchmal ein Bier mit dem Kapitän und dem Chief Engineer an Deck, und für das Abendprogramm gibt es einen eigenen Raum mit DVD Regalen und Büchern, die allen zur Verfügung stehen.

José und ich kommen gerade rechtzeitig zum Café, als ich Gregor bereits aus der Ferne im Stechschritt in die Richtung losgehen sehe, in die ich zuvor verschwunden bin. So sitzen wir zu viert mit Blick auf die Cristobal-Statue und José erzählt uns von der korrupten Regierung, wirtschaftlichen Schwierigkeiten, seinem Bruder in Spanien, und der traurigen Entwicklung in Haiti, das ja der westliche Teil derselben Insel namens „Isla Hispaniola“ ist. Er spricht von seinen vier Kindern (4, 6, 7 und 8 Jahre alt) und rechnet uns vor, wie viel ein Essen, Sprit und Autos kosten. 
Da wir erst um 22 Uhr zurück zum Schiff müssen willigen wir ein, uns von José noch seinen Heimatort Boca Chica zeigen zu lassen. Was für eine „Sightseeing-Tour“! . Immer wieder deutet er nach links oder rechts mit den Worten „Bar…, Restaurant…, Supermarkt…, Bar, Bar…, Disko – nice chicas, Supermarkt…“ Was wir dann trinken ist der beste Pina Colada, meines bisherigen Lebens. Wir sitzen unter Palmen, blicken auf das vom Mond erleuchtete Meer hinaus und sind dankbar für die unvergesslichen Stunden in Santo Domingo.

Ein paar Tage später folgt bereits Cartagena, die kolumbianische Stadt an der Karibikküste im Norden, auf die ich mich schon sehr freue! Allein die Fahrt bei Sonnenuntergang in den Hafen hinein ist großartig! Vorbei an einer karibischen Piratenlandschaft, einem Fort, das vor Jahrhunderten wohl unwillkommene Engländer abzuwehren versuchte, die die Handelsstadt auf Grund ihrer Bedeutung für Bodenschätze (vor allem Silber) erobern wollten, hinein in die Bucht, in der uns moderne Wohn-Hochhäuser vor dem Hintergrund uralter Kirchtürme und Kuppeln willkommen heißen.

Leider kommen wir erst ein paar Stunden später als vorgesehen an, da wir vor Einfahrt in den Hafen auf unseren Lotsen warten müssen. Und dann lässt auch noch der Agent auf sich warten, der unsere Einreisepapiere abstempeln muss. Seit es die Container-Schiffe gibt, ist die Zeit in den Häfen sehr begrenzt. Blieben der Mannschaft früher einige Tage, um die verschiedenen Länder kennenzulernen (oder zumindest mehr als die nächstgelegene Bar), so sind es heute nur wenige Stunden, in denen das Hafenpersonal mit Hilfe riesiger Kräne die bis zu 32 Tonnen schweren Container be- und entlädt. Da sich das Leben eines Seemanns heute fast ausschließlich am Schiff abspielt, hat sich daher der Komfort an Bord bedeutend erhört.

So bleiben uns in Cartagena nur wenige Stunden, in denen wir am späten Abend durch die fantastische Altstadt schlendern. Am nächsten Tag lassen wir uns um halb 7 Uhr aufwecken, um noch einmal mit unseren Fotoapparaten zurück zu kehren, und die bunten Häuserfassaden zu fotografieren. Wir nutzen die knapp zwei Stunden, um das morgendliche Treiben in der tropisch-heißen Karibikstadt zu beobachten und einen starken kolumbianischen Kaffee zu trinken, den Männer aus ihren Thermoskannen ausschenken, die sie in Körben durch die Straßen tragen.

Wie traurig wirkt zwei Tage nach der Euphorie in Cartagena die Stadt Colón in Panama, das arm und heruntergekommen scheinbar sich selbst überlassen wird. Nach der Durchquerung des Panamakanals werden wir sehen, dass anscheinend der Großteil der Einnahmen nach Panama-City fließt, um dort eine eindrucksvolle Skyline zu erweitern… Die Substanz der Gebäude lässt erahnen, dass auch Colón einmal seinen Reiz gehabt haben mag, doch Dreck, Zerfall und Müll geben heute ein anderes Bild. Schließlich landen wir bei einem Shopping Center, von dem die eine Hälfte völlig verlassen, die andere jedoch recht stark belebt ist. Ein paar Touristen-Gruppen, vermutlich Kreuzfahrtpassagiere laufen herum und ich denke an die immer wieder kehrenden Fragen der philippinischen Crew, wenn wir an Land gehen, ob wir vorhaben zu shoppen. Dass wir einfach nur die Atmosphäre der Umgebung spüren wollen und glücklich über Fotos und Filmmaterial sind, können sie erst langsam nachvollziehen. Mittlerweile werden sie richtig neugierig auf unsere Bilder und darauf, mit welchen Augen wir das, betrachten, was für sie Alltag ist. Bisher habe ich noch nichts gesehen, was ich gerne gekauft hätte, und wäre es so gewesen, dann hätten die Gedanken an das zusätzliche Gewicht in meinem ohnehin schon vermutlich 25 Kilogramm schweren Rucksack alle Wünsche rasch weggefegt. Nach einer Nacht vor Anker in der Bucht von Colón, in der wir auf unseren Durchquerungstermin warten, geht es am nächsten Tag durch den Panamakanal. Die Bucht auf dem Weg zur ersten von insgesamt drei Schleusen ist zu beiden Seiten von sanften, dicht bewachsenen Hügeln gesäumt. Immer wieder ragen Palmen aus dem Wald hervor. Für 2014 ist die Fertigstellung eines zweiten, parallel verlaufenden Kanals in Planung. Als wir an der Baustelle die dort, wo die Einfahrt entsteht, vorbei fahren, gibt einer der beiden Lotsen ungefragt und bereitwillig Auskunft über die derzeitige Situation in seinem Heimatland. Er meint, dass es sich beim Ausbau des Kanals mehr um ein Prestige-Projekt handelt, nachdem Länder wie Chile oder Brasilien in den vergangenen Jahren immer wieder von Transamerica-Routen sprechen. Also hat Panama beschlossen beschlossen, dass sie eben wachsen müssen, um wirtschaftlich konkurrenzfähig zu bleiben. Allerdings, so meint der Lotse, ist es bei der derzeitigen weltweiten Wirtschaftslage alles andere als absehbar ist, ob und wann sich diese Investitionen bezahlt machen werden. Unweigerlich fühle ich mich an Tunnelprojekte in Österreich erinnert und muss grinsen. So unterschiedlich die Länder auch seien mögen, finden sich doch immer wieder und unerwartet Parallelen, wenngleich es bei uns zwar keine Korruption sondern lediglich Lobbyismus gibt…

Die Bucht gräbt sich tiefer und tiefer in die Landschaft bis zur ersten Schleuse des Panamakanals. Unser Schiff, die MV Bahia, gehört zu den breitesten Schiffen, die ihn durchqueren können. Links und rechts bleiben tatsächlich nur wenige Zentimeter! Vorne und hinten wird das Schiff von Zügen begleitet, die mit gespannten Seilen mit ihm verbunden ist, um die Richtung zu weisen. Der Kapitän bittet uns, oben zu bleiben, denn sollte eines jener Seile reißen, durch die Luft schnalzen und einen treffen, dann fühlt sich dies wohl weniger gut an. Die Züge werden speziell für den Kanal angefertigt und kosten 1 Million Dollar pro Gefährt, erzählt der Kapitän am Abend. In der benachbarten Schleuse fährt zur selben Zeit ein Kreuzfahrtschiff durch, dessen Passagiere diesen Teil des Kanals als Teil einer Kreuzfahrt durchqueren, um dann an Land zu gehen und wieder umzukehren. Die Kanalgebühren für ein derartiges Kreuzfahrtschiff betragen um die 300.000 Dollar hin und retour. Unser Frachter zahlt in etwa 200.000. Wir fotografieren die Passagiere der Kreufahrt – 98 Prozent weißhaarig – und sie fotografierten uns.Danach geht es für einige Stunden durch eine wunderschöne idyllische Insellandschaft. Das Wasser hier ist recht braun, das Grün der Pflanzen hingegen atemberaubend! Die Route für die Schiffe ist genau mit Bojen gekennzeichnet, wie auf einer Hauptverkehrsstrasse, die der Panamakanal für den internationalen Frachtschiffverkehr ja auch darstellt. Bei der dritten Schleuse befindet sich der Aussichtsturm, wo wir wieder von Touristen fotografiert wurden, und im Hintergrund ist bereis Panama City zu sehen. Seit einigen Jahren gehört der Panamakanal der Regierung von Panama, und seither, so erzählt der Lotse passieren auch weniger Unfälle als zu US-Zeiten! Er klärt uns über die veränderten und viel besseren Arbeitsbedingungen seither auf, wobei es vor allem viel mehr Ruhezeiten gibt, die ausnahmslos eingehalten werden! Die Statistik hier zeigt schwarz auf weiß, dass ständiges Streben nach Leistung bei geringer Wertschätzung der persönlichen und menschlichen Bedürfnisse keineswegs wirtschaftliche Rentabilität und Sicherheit bedeutet.

Seit ich als Teenager das erste Mal in Kanada hinauf auf den Pazifik blickte, fasziniert mich dieser Ozean. So ist es auch hier. Es ist anders als am Atlantik, ursprünglicher, weiter, fast wirkt er auf mich beruhigend und gleichzeitig beeindruckend. Wir fahren vorbei an Kolumbien, obwohl eigentlich für Buenaventura ein Zwischenstopp angesagt war. Dort wollten wir ursprünglich an Land gehen, um weiter nach Ecuador zu reisen, bevor wir uns entschieden, statt hier die Regenzeit lieber den Sommer in Patagonien zu erleben. Als wir den Äquator überqueren tut es gar nicht weh, und der Kapitän stellt uns dafür sogar eine Urkunde aus.

Verglichen zur Karibik ist es hier draußen am Pazifik mit 18 Grad richtig kühl, als wir uns bereits auf der Höhe von Peru befinden. Ich war noch nie so weit südlich. Die Sonne geht im Westen unter, die Tage werden länger, Patagonien kommt immer näher.

Abends laufen wir in Callao, dem Hafen bei Lima ein. Diesmal kommt Michel mit an Land. Vor dem Hafentor steht ein hilfsbereiter Polizist, der uns ein Taxi herbeiruft. Umgehängt trägt er ein kleines Radiogerät, um mit lateinamerikanischen Rhythmen für gute Laune bei der Arbeit zu sorgen. Wieder haben wir einen einzigartigen Taxifahrer, der uns zunächst in die Altstadt von Lima bringt, der Hauptstadt Perus, in der 10 Millionen Einwohner leben. Auch hier geben die alten Bauten aus Kolonialzeichen mit Holzveranden ein unvergessliches Bild. Wir entdecken im Vorgehen die La Merced-Kathedrale, eine barocke Kolonialkirche, lassen uns das San Francisco Kloster mit arabischen Holzverzierungen und der romanisch nachempfundenen Krypta zeigen, in der die Gebeine der Mönche ihre letzte Ruhestätte gefunden haben, und fahren weiter zum Museo del Oro, zum Inka-Goldmuseum, in dem eindrucksvolle doch fast zu viele Ausstellungsstücke sowie einige Waffen, darunter auch die von Fidel Castro und Che Guevara (!), zu betrachten sind. Am Weg zum Stadtviertel am Strand, Miraflores, geht es vorbei an Stacheldrähten auf Mauern und Stromzäunen, die in den „besseren“ Bezirken die Häuser umgeben. Die Straßen in Lima sind sauber, und doch fühle ich mich bei dem Gedanken an die Sicherheit durch die hiesigen Stromzäune eher eingesperrt. Zum Abschluss eines weiteren unvergesslichen Landgangs lädt und Michel zu einem Festessen in einem Restaurant am Meer ein. Nachdem er gefragt hat, woher wir kommen, stellt uns der Kellner ein französisches und ein australisches Fähnchen auf den Tisch. Gregor und ich stoßen mit dem peruanischen (oder doch chilenischen?) Nationalgetränk auf unsere australische Staatsbürgerschaft an.

Puerto Angamos. Unser letzter Hafen, bevor die Frachtschiffreise zu Ende geht. Vom nahegelegenen Örtchen Mejillones fahren wir mit dem Bus nach Antofogasta, die zweitgrößte Stadt Chiles. Hier oben im Norden ist es heiß und trocken, gilt die Atacamawüste doch als die trockenste Wüste der Welt. Doch dank der Kupfervorkommen in den Minen dieser Gegend hat Chile seinen wirtschaftlichen Aufschwung erlebt. Beim Anblick der Strommasten am Weg nach Antofagasta denke ich an die geplanten Staudammprojekte in Patagonien. Wenn die tatsächlich verwirklicht werden, dann werden riesige Starkstrommasten tausende Kilometer von Süden nach Norden verlaufen. Im Norden regnet es so gut wie nie, und ich frage mich, ob nicht stattdessen auch Solarenergie genutzt werden könnte.

In Antofagasta, deren Straßen sich über die Küstenebene bis weit hinauf zu den steilen Bergen ziehen, wollen wir den alten Bahnhof erkunden, der für die Öffentlichkeit leider nicht zugänglich ist. Der freundliche Portier gibt uns kurzerhand eine Privatführung über das Gelände und erzählt von der interessanten Geschichte der Bahnlinie aus Zeiten, als dieser Teil des Landes noch zu Bolivien gehörte, bevor die Chilenen ihn eroberten, wodurch Bolivien nicht nur Vorkommen an Bodenschätzen verlor sondern, auch seinen Meerzugang, wodurch es das einzige Binnenland Lateinamerikas ist, noch heute ein Trauma der Bewohner und wirtschaftlich eine infrastrukturelle Herausforderung, um Rohstoffe exportieren zu können. Umgekehrt ist der Norden Chiles, erzählt der Bahnhofs-Portier, in Bezug auf seine Wasserversorgung abhängig von Bolivien. Die Bahnlinie in die bolivianische Hauptstadt La Paz ist derzeit lediglich für den Güterverkehr in Betrieb, soll jedoch 2011 für touristische Zwecke auch für Personen wieder verkehren. Beim Anblick des Bahnhofsgebäudes kommt Wild-West-Feeling auf und nun weiß ich auch, wo Butch Cassidy und Sundance Kid, deren Geschichte mit Paul Newman und dem jungen Robert Redford verfilmt wurde, ihr Unwesen trieben.

Am Abend bin ich müde und allmählich freue ich mich darauf anzukommen! Ich freue auf anderes Essen, auf mehr Land, auf Berge, auf Menschen und darauf, nicht die einzige Frau zu sein, auch wenn die gesamte Mannschaft freundlich, zuvorkommend und respektvoll ist. Ein Tag am Schiff steht uns noch bevor, und dann geht eine einzigartige vierwöchige Schiffsreise zu Ende. Doch unsere eigentlich Reise beginnt erst…

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