Patagonischer Epilog

Tag für Tage realisiere ich, wie besonders die Zeit in Patagonien war. Ob ich es je werde begreifen können?

Einige Dinge in meinem Leben sind wichtiger denn je geworden, andere haben komplett an Bedeutung verloren.

Ein Gefühl, dass mich immer wieder dort unten im Süden Chiles überkommen ist, verstehe ich langsam: diese Ratlosigkeit und Beklemmung, die immer wieder wie aus dem Nichts hochkam. Ich verstand und verstehe nicht, woher sich manche Menschen das Recht nehmen, mit Selbstverständlichkeit zu zerstören. Zerstörung ist in Patagonien allgegenwärtig – trotz seiner Schönheit. Oder vielleicht ist sie gerade deswegen offensichtlicher und spürbar.

Patagonien ist tatsächlich magisch. Magisch schön. Magisch lehrreich. Magisch unbegreiflich.

Zum Glück hab ich Calafate Beeren in allen möglichen Formen gegessen! Es heißt, wer von den Calafate Beeren nascht, der kommt wieder zurück nach Patagonien. Beeren, Calafate Marmelade, Calafate Bier, Calafate Likör, Calafate Kuchen!

Nachdem ich mit dem Cabo Froward den südlichsten Punkt des amerikanischen Kontinents erreicht und dort am Meer geschlafen hatte, mit Blick auf die Magellanstraße, reifte auch der Wunsch Heim zu kommen mehr und mehr. Ich sah hinaus aufs Meer, wo sich Atlantik und Pazifik treffen, und mit jedem Containerschiff, das vorbei fuhr, wurde der Wunsch stärker und stärker. Heimkommen. Und den Film fertig machen, um euch allen in Bildern ein Stückchen von dieser Faszination mitzuteilen. Euch zu zeigen, wie unfassbar schön dieser Planet ist, auf dem wir leben. Einige Erlebnisse und Gedanken mit euch zu teilen. Mit all den Menschen, die den Film sehen werden.

So machte ich mich auf den Weg nach Norden, um auch noch Bolivien zu besuchen, während Gregor in Patagonien blieb. Doch davor zog es mich noch einmal zurück! War der Calafate Likör oder die Calafate Torte dafür verantwortlich? Mit dem Schiff in Puerto Montt angekommen beschloss ich, noch einmal die etwas mühsame Fahrt nach Coyhaique auf mich zu nehmen, um von Brian, einem Wissenschaftler, mehr über die möglichen Auswirkungen der geplanten Staudämme im Río Baker auf das Ökosystem zu erfahren. Brian wollte gar nicht glauben, dass ich extra seinetwegen noch einmal diese Reise auf mich nahm. Doch noch einmal die Alerce Bäume, Chaitén und die Carretera Austral zu besuchen, war jede Minute auf der Schotterstraße wert! Und ich war glücklich! Jeden Tag erinnere ich mich und sehne ich mich zurück. Die Erinnerungen werden ein großer Teil von mir bleiben. Patagonien hat mich verändert. Dafür bin ich dankbar. Ich hoffe, diese Dankbarkeit lange in mir zu tragen. Sie macht das Leben so unglaublich reich und wertvoll!

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