Regen und Tränen in La Piedra Feliz

Der erste Lufthauch ist erfrischender und kälter als erwartete, als wir nach 24 Stunden und einem traumhaften Anflug über die schneebedeckten Berge in Santiago aus dem Flugzeug aussteigen. Zügig geht es gleich weiter nach Valparaíso, wo uns nasse Kälte erwartet – strömender Regen seit einer Woche! Zum Glück habe ich die wahren Sonnenseiten und kreative Energie der Stadt bereits vor vier Jahren kennen gelernt.

Von meinem Hotelzimmer aus höre ich das Biepen der Kräne im Hafen, Motorengeräusche der großen Frachtschiffe. Vieles erinnert mich an den Anfang der Reise, auf der IM FLUSS DES LEBENS entstanden ist. In Valparaíso betrat ich damals chilenischen Boden, verbrachte einen ganzen Tag hier, bevor es nach Santiago und schließlich in den Süden weiterging. Nun, fast ganze vier Jahre später, beginnt die spontane Chile-Tour wieder in derselben Stadt. Das ist doch etwas ganz Besonderes für mich.

Ganz besonders ist auch der Veranstaltungsort des ersten Abends: La Piedra Feliz – eines der schönsten, traditionellen Häuser von Valparaíso direkt an der Hafenstraße gelegen, seit bald 20 Jahren legendärer Veranstaltunsort. In den unterschiedlichen Räumen gibt es hier allabendlich Konzerte, Filmabende, Salsa-Kurse, Drum ’n Bass DJs, Ausstellungen, ein Restaurant… Jeder bekannte Künstler hat irgendeinen Bezug zur Piedra Feliz.
Das Haus gehörte einst einer italienischen Familie, war schon ein Hotel und vermittelt eine Atmosphäre, die bei Tag etwas düster und bedrueckend wirkt, wie ein Geisterschloss, das einen nicht fortlassen möchte. Abends strotzt das Gemaeuer vor Energie, Lebensfreude und zeugt von einem einzigartigen generationenuebergreifenden Miteinander.

Edaniel und ich sind von der langen Reise sehr müde. Doch auf einmal steht Milena vor mir. Welch Überraschung! Milena habe ich im Zuge der damaligen Dreharbeiten im Pumalin Park kennen gelernt. Ein Mensch, den man kennen lernt, und zu dem man einfach eine tiefe Zuneigung und Dankbarkeit empfindet. Sie ist gekommen, um den Film zu sehen und mich wieder zu sehen. Kurzzeitig verfliegt meine Müdigkeit. Als wir einander begrüßen und umarmen, laufen Freudentränen ueber mein Gesicht, mit dem Regen draußen um die Wette!

Es ist das erste Mal, das der Film in Chile in meinem Beisein gezeigt wird. Ein bisschen bang war mir, wie ihn die Chilenen wohl aufnehmen würden und bin dankbar und auch erleichtert, wie andächtig alle nachher zu unserem Publikumsgespräch im Raum sitzen. Ein gelungener Start, der bestärkt und us auf die nächsten Tage freuen lässt – auch auf ein Wiederkommen mit neuen Projekten in die Piedra Feliz nach Valparaíso!
Doch erst ausschlafen! Endlich wieder ein Bett!

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