Richtig oder Falsch?

Wer entscheidet wie und wer trägt am Ende die Verantwortungen?

Die Schwangerschaft bereitet mich auf die Jahre als Mutter vor. Ich muss viele Entscheidungen treffen. Für jede dieser Entscheidungen gibt es Menschen, die diese kritisieren. Hier lerne ich nun, Entscheidungen für einen anderen Menschen zu treffen, was ich immer nur nach meinem besten Wissen und GEWISSEN tun kann. Ein richtig oder falsch gibt es nicht, auch wenn vor allem die Kritiker dies gern anders sehen.

Von einer mir nahestehenden Person werde ich richtiggehend atackiert für meine Entscheidung, während der Schwangerschaft „nur“ die im Mutter-Kind-Pass notwendigen Kontrolluntersuchungen zu machen. Ich habe eine fantastische Wahl-Ärztin, die mit dem Baby in mir kommuniziert und es wahrnimmt, noch bevor irgendein Ultraschall-Gerät angesetzt wird. Gemeinsam lächeln wir über dieses neugierige Wesen, das wir in meinem Bauch spüren. Ich habe eine Wahl-Hebamme, die selbst vier Kinder zur Welt gebracht hat, und ihr innerstes weibliches Urwissen in medizinisches Fachwissen einfließen lässt.

Für mich besteht keine Notwendigkeit, Organ-Screening oder Nackenfaltenmessung zu machen, die ohnehin nur über einen Verdacht auf z.B. Down-Syndrom Auskunft geben kann. Es ist wunderbar, dass wir in Österreich diese Möglichkeiten haben für Frauen, die alles erdenklich mögliche tun wollen, um schulmedizinisch auf Nummer Sicher zu gehen, dass es ihrem Kind an nichts fehlt. Doch zum Einen sind Testergebnisse nicht immer genau. Fehldiagnosen können weitaus schlimmere Folgen haben als eine Schwangerschaft ohne weitere Eingriffe. Ein Großteil kann außerdem über den herkömmlichen Ultraschall gesehen werden. Und wenn doch nicht?…

Ist es nicht so, dass wir, die Betroffenen, im Falle einer Krankheit oder eines Defektes umgehend nach Schuldigen suchen? Wie hätte etwas vielleicht doch verhindert werden können? Warum hat niemand etwas unternommen? Am Ende tragen dann oft die Ärzte Schuld daran, nicht genug unternommen zu haben. Was für eine Welt erschaffen wir uns dadurch? Natürlich ist es ein Geschenk, in einem Land zu leben, wo die Versorgung von Schwangeren Teil der umfangreichen staatlichen Sozialleistungen sind (zumindest Schwangere im Angestelltenverhältnis). Und doch ist es so, dass viele der Schutzmaßnahmen, die teilweise auch wieder ausgenützt und dann völlig unverhältnismäßig geschöpft werden können, gar nicht nötig wären, wenn wir in einem eigenverantwortlichen Miteinander lebten, in einer gesunden Gemeinschaft, zu der jeder von sich aus seinen Beitrag leistet.

Auch wenn mit meinem Baby etwas nicht in Ordnung sein sollte, ein Schwangerschaftsabbruch käme für mich nicht in Frage. Es steht mir nicht zu, einem menschlichen Wesen das Recht auf sein Leben abzusprechen, schon gar nicht, wenn es in mir heranwächst. Das heißt nicht, dass ich Frauen verurteile, die von dieser Möglichkeit Gebrauch machen, sondern nur, dass ich es nicht tun möchte.

Eigentlich bin ich überzeugt, dass Frauen unter sich ganz ohne „professionelle“ Hilfe gebären können. Schließlich ist das der natürlichste Vorgang überhaupt! Trotzdem habe ich mich für zusätzliche Unterstützung durch meine Ärztin und die Hebamme entschieden. Trotzdem? Nein, gerade deswegen. Ich habe „professionelle“ Betreuung gefunden, die ihr Fachwissen mit der inneren Weisheit verbindet. Das ist keine Selbstverständlichkeit. Ich merke, wie ich in diesem Wirrwarr an angstmachenden Fakten und Vor-SORGE-Möglichkeiten Stärkung brauche. Sonst würde die sanfte innere Stimme irgendwann von den lauten angsterfüllten Rufen von Außen übertönt. Vielleicht sollte ich allein stärker sein. Aber ich bin froh, dass ich es nicht sein muss, und dankbar für den Kreis bestärkender Menschen um mich herum – Menschen mit Fachwissen, gesundem Menschenverstand und einfach auch einem guten Gespür.


in der 24. SSW

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